Warum baut ihr Mais an?

Es ist wieder soweit: Die Maisfelder sind aufgrund idealer Bedingungen fast über Nacht zu enormer Höhe angewachsen. Das ist übrigens nicht nur ein Eindruck, sondern Mais kann bei idealen Bedingungen tatsächlich über 10 cm am Tag wachsen. Wir selbst freuen uns über unsere tollen Maisbestände in diesem Jahr! Trotzdem geht auch an uns die Kritik am Maisanbau nicht spurlos vorbei. Was bei all der Berichterstattung häufig vergessen wird, ist, den Maisanbau aus der Sicht des Landwirtes zu beschreiben.

Haben sie sich schon mal gefragt, was unsere Gründe sind, Mais anzubauen?

Mit dem Anbau von Silomais lassen sich für unseren landwirtschaftlichen Betrieb mit Rinderhaltung und Biogasanlage mehrere Vorteile vereinen:

– Der Maisanbau ist für uns ein wichtiger Baustein des Ackerbaus und macht bei uns etwa 40 % der Fruchtfolge aus. Der Anbau von verschiedenen Kulturen (z.B. Mais, Ackergras, Zuckerrüben) nacheinander auf einer Fläche, führt dazu, dass wir den Anteil von Unkräutern und Schadinsekten und damit auch Überträger von Pflanzenkrankheiten gering halten können. Außerdem kann Mais in einem Jahr, in dem z.B. die Getreideernte aufgrund schlechter Witterung bescheiden ausfällt, für die Ertragssicherheit unserer Jahresernte insgesamt sorgen.

– Der Anbau von Mais ist produktionstechnisch einfach zu handhaben. Wir haben Erfahrung im Anbau und es macht keinen Unterschied, ob wir Silomais für die Fütterung der Kühe und Rinder oder unserer Biogasanlage anbauen. Traditionell ist deswegen der Maisanbau in Regionen mit hoher Rindviehdichte, wie dem Kreis Ravensburg und dem Kreis Biberach höher als z.B. in Baden Württemberg insgesamt, zumal der Anbau von Silomais vor der Liberalisierung der Gemeinsamen Agrarpolitik stark subventioniert wurde.

– Mais ist ein hervorragender Energielieferant und liefert die höchste Methanausbeute pro Fläche. Übrigens ist Silomais nicht für die menschliche Ernährung gedacht!

– Die Anbau- und Erntetechnik ist ausgereift und auch bei den Lohnunternehmern in der näheren Umgebung verfügbar.

– Es gibt eine Vielzahl durchgezüchteter Sorten, von denen die Eigenschaften weitgehend bekannt sind, bzw. die für den jeweiligen Standort und die jeweilige Nutzung verfügbar sind. Selbstverständlich bauen wir keinen gentechnisch veränderten Mais an. Der Freilandanbau von gentechnisch verändertem Mais ist in Deutschland außer nach gesonderter Genehmigung für bestimmte Versuchseinrichtungen verboten.

– Mais ist, wie Zuckerrohr oder Hirse, eine sogenannte C4-Pflanze. Diese Pflanzen haben sich an wärmere Regionen mit höherer Lichteinstrahlung angepasst und können im Rahmen der Photosynthese CO2 besser binden als C3-Pflanzen. Mais kann also in kürzerer Zeit mehr Biomasse aufbauen als andere herkömmliche Ackerkulturen. 1 ha Mais produziert zudem 5 mal mehr 02 als 1 ha Wald!

– Mais braucht im Verhältnis zu anderen Ackerbaukulturen am wenigsten Pflanzenschutz, außerdem wandelt er z.B. bis zu 90 % des pflanzenverfügbaren Boden-Stickstoffs (N) in Ertrag, also Biomasse um.

– Die letzten Bodenuntersuchungen von 2009 und 2015 zeigen, dass auf unseren Ackerflächen der Humusgehalt um 1-2% angestiegen ist. Auch sind bei uns schon seit vielen Jahren die Ackerflächen im Winter bewachsen, dadurch vermeiden wir Bodenerosion. Ein Auslaugen der Böden durch den Maisanbau findet bei uns also nicht statt.

– Gehäckselter Mais ist nach der Ernte gut lagerbar.

Alternative Pflanzenarten reichen bisher vor allem aus ökonomischen Gründen leider nicht an den Mais heran. Unter idealen Bedingungen kann Ganzpflanzensilage eine ernstzunehmende Alternative sein und wir hoffen sehr auf den Erfolg der Durchwachsenen Silphie, da stehen wir ja aber erst noch am Anfang. Andere Kulturen, wie z.B. Sonnenblumen oder Blühmischungen bringen dagegen verschiedene Probleme mit sich: Krankheitsanfälligkeit, Schwierigkeiten in der Abreife, zu geringe Methanausbeute, zu geringer Ertrag oder zu konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern. Dennoch sind auch andere Kulturen und Mischungen teil unserer Fruchtfolge oder werden an Feldrändern angebaut.

Unsere Neue: Die Durchwachsene Silphie

Gestern haben wir mal wieder etwas Neues gewagt: Wir haben Durchwachsene Silphie aussäen lassen.

Wer schon einmal beispielsweise im September im Raum Ostrach unterwegs war, hat die intensiv gelbblühenden Felder in denen es auffallend summt und brummt sicher wahrgenommen. Gerade in einer Jahreszeit in der die Bienen und andere Insekten kaum mehr Blühpflanzen vorfinden, bieten die Felder mit dem ausdauernden Korbblütler eine ideale Nahrungsgrundlage. Neben diesem Aspekt ist die Durchwachsene Silphie vor allem eine Energiepflanze für die Biogasanlage und eine echte Alternative zum Mais. Bisher scheiterte der Anbau der Silphie an der schlechten Keimfähigkeit, die es mit sich brachte, dass man teure Setzlinge pflanzen musste und am Ertragsausfall im ersten Jahr, weil sich die Pflanze zunächst nur als Bodenrosette entwickelt. Kurz: Es war schlicht zu teuer!

Seit ein paar Jahren macht die Metzler und Brodmann KG vom Energiepark Hahnennest bei Ostrach Anbauversuche mit Durchwachsener Silphie. Daraus entstanden ist die Donau Silphie und ein spezielles Säverfahren. Die Silphie wird als Maisuntersaat mit einer speziellen Einzelkornsämaschine ausgesät. Die Säaggregate haben eine unterschiedliche Höhenführung, weil der Mais 4-5 cm tief, die Silphie aber nur flach ausgesät werden muss. Zudem wird der Mais weniger dicht gesät, damit die Silphie mehr Licht bekommt und sie sich nicht gegenseitig im Wachstum behindern. Der gemeinsame Anbau hat zwei wesentliche Vorteile. Zum einen wird die Konkurrenz zu Wildpflanzen minimiert und zum anderen bringt der Mais den Ertrag im ersten Jahr, in dem die Silphie ja noch klein ist. Ab dem 2. Jahr wird die Silphie geerntet und liefert für mindestens 15 Jahre Erträge und das bei geringer Düngung und ohne relgelmäßigen Herbizideinsatz.

Die Aussaat hat geklappt, nun sind wir gespannt, wie sich unsere neues Projekt entwickelt!

Weitere Infos:

http://www.donau-silphie.de/saattechnik.html

 

Die letzte Ernte in diesem Jahr: Zuckerrüben

Die letzte Ernte in diesem Jahr ist eingefahren: Unsere Zuckerrüben.

Bereits im dritten Jahr haben wir nun schon Zuckerrüben für die Fütterung unserer Biogasanlage angebaut. Vor drei Jahren war es zunächst reine Neugier auf den Anbau, das praktische Handling und die Wirkung bei der Fütterung der Biogasanlage, die uns dazu gebracht hat, uns näher mit den Zuckerrüben zu befassen. Früher wurden auch bei uns auf dem Betrieb Zuckerrüben in einem recht aufwändigen Verfahren mit viel Handarbeit für die Verfütterung ans Milchvieh angebaut. Heute gibt es eine Reihe technischer und organisatorischer Hilfsmittel, die den Anbau von Zuckerrüben erleichtern. Größere landwirtschaftliche Betriebe und Maschinenringe führen die Aussaat mit einem speziellen Einzelkornsägerät, das Roden der Rüben und das Verladen mit einer sogenannten Verlademaus durch. Das ermöglicht den Einsatz von Maschinen, die für einen Betrieb in unserer Größenordnung unbezahlbar wären.

Wir haben festgestellt, dass wir bei uns, obwohl wir in den letzten Jahren regelmäßig Hagelschäden hatten, recht ordentliche Erträge erreichen können.

Es hat sich bewährt, die Rüben als Ganzes im Silo auf einem Haufen zu lagern und bei Bedarf mit einer Zerkleinerungsschaufel zu entnehmen. Die Menge Rüben, die wir anbauen, reicht meist über die Wintermonate, dann sind sie aufgebraucht. Das ist auch gut so, denn bei längerer Lagerung und zunehmender Frühlingswärme würden sie anfangen zu faulen.

Für uns sind die Rüben eine sinnvolle Ergänzung unserer Fruchtfolge und wir wollen den Anbau in den nächsten Jahren fortführen.