Der Pflug war jahrzehntelang das Symbol guter Ackerarbeit. Heute steht er zunehmend in der Kritik: Erosion, Humusabbau und hoher Dieselverbrauch sprechen gegen das tiefe Wenden. Doch ist konservierende Bodenbearbeitung wirklich immer die bessere Wahl?
Was passiert beim Pflügen wirklich?
Beim Pflügen wird der Boden bis in 25–30 cm Tiefe gewendet. Ernterückstände verschwinden vollständig in der Tiefe, der Boden liegt offen. Das schafft ein sauberes Saatbett und reduziert kurzfristig Unkrautdruck und Schaderreger.
Gleichzeitig wird die natürliche Bodenstruktur zerstört: Regenwurmgänge, Pilzhyphen und Kapillarsystem reißen ab. Die Bodenoberfläche ist wind- und wassererosionsanfällig, vor allem in Hanglagen wie hier in Oberschwaben.
Grubber, Scheibenegge & Co. – die Alternativen
Bei der konservierenden Bodenbearbeitung bleibt mindestens 30 % der Bodenoberfläche mit Mulch bedeckt. Der Grubber lockert nur, ohne zu wenden. Strohrückstände bleiben oben, schützen vor Verschlämmung und füttern das Bodenleben.
- Flachgrubber (5–10 cm): ideal zur Stoppelbearbeitung direkt nach der Ernte
- Tiefgrubber (15–25 cm): lockert Verdichtungen, ohne zu wenden
- Scheibenegge: mischt Stroh ein, gut bei feuchten Bedingungen
- Direktsaat: maximale Bodenruhe, anspruchsvoll im Management
Wann der Pflug trotzdem Sinn macht
Bei massivem Ungrasdruck (Ackerfuchsschwanz, Trespen), nach Zwischenfrucht-Misserfolgen oder bei der Umstellung auf Bio kann der Pflug eine Erlösungslösung sein. Auch im ökologischen Landbau bleibt er ein wichtiges Werkzeug zur Beikrautregulierung ohne Herbizide.
Entscheidend ist nicht die Ideologie, sondern der Standort. Schwere, nasse Böden reagieren anders als leichte Sandlöss-Standorte.
Tiefergehende Fragen zu diesem Thema? Markus Jehle berät landwirtschaftliche Betriebe auch persönlich – praxisnah, von Landwirt zu Landwirt.
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